Fehlende Register der Hilpert-Orgel

KURZBESCHREIBUNG DER FÜR DIE WIEDERHERSTELLUNG DER URSPRÜNGLICHEN DISPOSITION ZU REKONSTRUIERENDEN REGISTER

Die Materialangaben beziehen sich dabei auf die von Hilpert im Kostenangebot vom 14. November 1856 gemachten Angaben.

Die Bezeichnung „von 12löthigem Metall“ gibt das Legierungsverhältnis von Zinn und Blei zueinander wieder. „16 löthig“ entspricht dabei 100% Zinn. Die von Hilpert größtenteils angebotene 12löthige Legierung enthält einen Zinnanteil von 75%. Höherprozentige Zinnlegierungen werden zumeist für Prospektpfeifen verwendet, niedriger legierte Mischungen für Innenpfeifen. Mit einem Zinnanteil von 75 % Zinn hat sich Hilpert dabei für eine hochwertige (und damit teurere) Legierung für die Innenpfeifen entschieden.

I. Manual Hauptwerk

1. Gemshorn 8′

die große Octave von Kiefernholz, die anderen von 12löthigem Metall“

Die Pfeifen verfügen ab c° über einen konischen Durchmesser. Im Labienbereich weiter als im Mündungsbereich. Der Name ist vermutlich abgeleitet von dem ursprünglich aus einem „Gemsenhorn“ hergestellten Blockflötenartigen Instrument. Der Klang ist flötenartig mit leicht streichendem Charakter.

2. Gambe8′

die große Octave von Kiefernholz, mit zinnernen Labien, die anderen von 12löthigem Metall“.

Ein offenes zylindrisches Register mit streichendem Klang.

3. Spitzflöte 4′

„von 12löthigem Metall“.

Ab G sind die originalen Pfeifen noch vorhanden, C-Fis zu rekonstruieren. Ein konisches Register von nicht allzu weiter Mensur von hellem aber nicht zu starkem Klang.

II. Manual Oberwerk

4. Harmonika 8′

Deckel von Birnbaum, Seiten und Boden von Kiefernholz“.

Das Register ist von enger Mensur, wird aus hartem Holz gebaut und verfügt über einen zarten, feinen und streichenden Ton. Der Name ist abgeleitet von dem Instrument Glasharmonika. Dabei handelte sich um ein Instrument mit Glasschalen, die der Größe nach auf eine horizontal rotierende Achse gesteckt waren und durch Anlegen angefeuchteter Fingerkuppen an den Schalenrand zum Klingen gebracht wurden.

5. Fl. Traverso 8′

die große Octave gedeckt von Kiefernholz,die folgenden offen von c(1) an gebohrt, geschliffen und inwendig lackiert.“

Der Name des Registers bezieht sich auf die beabsichtigte Imitation des Klanges der Querflöte. Als Besonderheit besteht das Register in der oberen Lage aus konischen, in Kirschbaum gedrechselten Pfeifen mit doppelter Körperlänge und überblasendem Charakter. In der Burghofener Hilpert Orgel ist eines dieser seltenen Register erhalten. Es wird als Vorlage für die Rekonstruktion des Waldkappeler Registers dienen.

6. Gemshorn 4′

von 12löthigem Metall“

Klingt eine Oktave höher als das Gemshorn 8’ aus dem ersten Manual.

7. Sesquialter 2fach

von 12löthigem Metall“

Der Nachweis, dass es sich hierbei ursprünglich um eine Sesquialtera handelte, wie sie Hilpert auch 1856 veranschlagt hat, wurde durch eine Inschrift auf der Rückseite des Staffelbrettes erbracht. Es handelt sich dabei um ein Register, das aus zwei Pfeifen pro Ton besteht. Eine Quinte und eine Terz klingen dabei miteinander zusammen.

8. Flageolett 2′

von 12löthigem Metall“

Der Name des Registers entstand in Frankreich und bezeichnete ursprünglich eine Schnabelflöte mit konischer Bohrung. Das Register besteht aus zylindrisch offenen Pfeifen.

Großpedal

9. Violon 16′

von Kiefernholz“

Ein offenes, parallelwandiges Register von nicht zu enger Mensur, das den Grundton des Pedals noch kräftig unterstützt und durch ihren scharfen, schneidenden Ton hervorhebt.

10. Posaune 16′

Röhre und Köpfe von hartem Holze, Zungen und Krücken von Messing, Körper von Kiefernholz“

Neben der Trompete im Manual handelt es sich um die zweite Zungenstimme der Orgel. Die trichterförmigen Becher sind aus Kiefernholz gefertigt. Eine Messingzunge schlägt dabei auf eine aus Holz gefertigte Kehle auf. Eine Besonderheit stellt dabei die Kehle- von Hilpert als „Röhre“ bezeichnet- aus „hartem Holze“ dar. Weiter verbreitet als Kehlen aus Holz waren und sind Kehlen aus Messing. Für Hilpert, der einen souveränen handwerklichen Umgang mit Holz pflegte, war es offensichtlich einfacher, Kehlen in Holz herzustellen als Kehlen in Messing. Der Klang des Registers ist kräftig und dunkel schnarrend, bekommt jedoch durch die Verwendung von Holzkehlen weiche Züge.

Kleinpedal

11. Cello 8′

von Kiefernholz“

Es handelt sich dabei um ein parallelwandiges Register, welches von seiner Namensgebung her ursprünglich dazu angelegt war, den Klang eines Violoncellos nachzuahmen. Was im Manual das Register Gambe 8’ darstellt, findet seine Entsprechung im Pedal durch das Cello 8’. Das Namen-gebende Violoncello fand in erster Linie als Basso-Continuo-Instrument Verwendung, während hingegen die Viola da Gamba primär als Solo-Instrument im polyphonen Spiel Verwendung fand.  *(1)

Quelle: Jehmlich Orgelbau Dresden – Herzlichen Dank für die Beschreibung!

*(1) S.a. Ronland Eberlein, Orgelregister ihre Namen und ihre Geschichte, Köln 2008

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